Road trip

Hola amigos!

Viele Grüße aus der trockensten Wüste der Welt (Atacama)! Wir sind gut in Chile gelandet (05.04.) und mittlerweile auch angekommen. Die letzten zweieinhalb Wochen in Neuseeland waren wieder gespickt mit Highlights, angefangen mit einem Wiedersehen mit Jörg in Wellington, dem erfolgreichen Tongariro crossing, vielen hot pools auf der Thermalstrecke nach Rotorua, Wiedersehen mit unseren Camperfreunden vom Anfang unseres Neuseelandabenteuers und Treffen mit der Aucklander Bike Gang. Hierzu mehr in einem gesonderten Beitrag.

20170502_142752-COLLAGEUnser Flug von Auckland nach Santiago de Chile verlief reibungslos. Das einzige Ärgernis war, dass wir pro Fahrrad 200,00 $ Übergepäck zahlen mussten, da die Fluggesellschaft LAN zum 17.12.2016 ihre Bestimmungen bzgl. der kostenlosen Mitnahme von Fahrrädern geändert hat.

In Santiago angekommen, nehmen wir uns einen Shuttlebus, der uns bis vor die Haustür unserer Gastgeber für die ersten fünf Tage bringt. Claudia und Jorge, ein junges chilenisches Pärchen, nehmen uns auf wie Freunde und wir fühlen uns ab der ersten Minute wohl. Der Jetlag ist grauenhaft und wir fühlen uns die ersten Tage wie erschlagen. Claudia und Jorge binden uns voll in ihre Freizeitaktivitäten ein und so verbringen wir fast jeden Abend mit Freunden, mit Gesprächen, Grillen und Trinken. Das hilft auch nicht gerade, sich vom Jetlag zu erholen. Tagsüber steuern wir planlos durch die Stadt und versuchen ergebnislos Pläne für unsere Weiterreise zu schmieden. Da uns das einfach nicht gelingen mag und wir merken, dass wir dringend eine kleine Auszeit vom Rumreisen benötigen, nehmen wir am Montag (10.04.) kurzentschlossen einen Bus nach Valparaiso. Die berühmt, berüchtigte Hafenstadt Valparaiso ist der ideale Ort, um sich einfach mal ein paar Tage treiben zu lassen. In einem bunten Hostel im Herzen des alternativen Künsterviertels von Valparaiso kommen wir unter und erkunden die Stadt zu Fuss und per Rad, bestaunen die vielen Graffitis und genießen die lebhafte und kreative Atmosphäre. Außerdem unternehmen wir einen kleinen Fahrradausflug in das benachbarte Vina del Mar.

20170411_143226-COLLAGEEndlich haben wir auch eine Idee, wie wir unsere Reise fortsetzen. Wir wollen zumindest im nördlichen Patagonien Radfahren – für den südlichen Teil (Feuerland, Carretera Austral) ist es leider schon zu kalt. Ein Bus bringt uns in der Nacht von Freitag auf Samstag (14. – 15.04.) über 1000 km in den Süden nach Puerto Montt. Von dieser verschlafenen Hafenstadt beginnen wir unsere kleine Radreise im Seenland von Chile. Das Gebiet ist sehr grün und erinnert wieder einmal sehr an meine Heimat – Allgäu. Im Unterschied zum Allgäu zieren hier allerdings Vulkane die Landschaft und nicht die Alpen. Die Ähnlichkeit zu Süddeutschland war für einige Deutsche wohl auch einer der Gründe vor ca. 150 Jahren hierher auszuwandern und so stößt man auf erstaunlich viel deutsches Kulturgut. Deutschsprachige Chilenen, deutsches Essen und Braukultur sind allgegenwärtig. Unsere Radtour führt uns über die idyllischen Orte Puerto Varas, Llanquihue, Frutillar, Puerto Octay und Entre Lagos bis nach Osorno. Somit konnten wir wenigstens einen kleinen Eindruck vom südlichen Chile gewinnen.

20170502_143745-COLLAGEDie Woche ist wohl auch eine der emotionalsten der bisherigen Reise. Sorgen bzgl. der Gesundheit und dem Wohlergehen meiner Katzen lassen mich nächtelang nicht schlafen und das Gefühl aus der Entfernung nichts tun zu können, macht mich wahnsinnig. Zum Glück gibt es Personen, auf die ich mich in diesen Situationen verlassen kann und denen ich mich wiederum anvertrauen kann. Danke! In dieser sowieso schon dünnhäutigen emotionalen Verfassung ereignete sich auch noch ein weiteres herzerweichendes Erlebnis wie folgt…

In Chile gibt es unzählige Straßenhunde. Sie sind überwiegend freundlich und in guter Verfassung – die Chilenen gehen recht gut mit ihnen um. Selten sieht man einen sehr verwahrlosten, schreckhaften oder aggressiven Straßenhund. Als wir aus Frutillar losfahren, werden wir von einer Horde Straßenhunde begleitet – bisher nichts ungewöhnliches. Doch einer ist besonders hartnäckig und folgt uns wie selbstverständlich Kilometer um Kilometer. Nach 15 Kilometern starten wir den ersten Versuch ihn abzuhängen, da wir nicht möchten, dass er sich zu sehr von seinem Ort entfernt. Wir verstecken ein Leberwurstbrötchen (das muss eine ausgesprochene Delikatesse für einen hungrigen Straßenhund sein) und geben Vollgas den Berg runter. Aber was macht Hundi? Läßt das Leberwurstbrot einfach links liegen und rennt uns wie wahnsinnig hinterher! Spätestens am nächsten Berg hat er uns wieder eingeholt und trabt brav hinter Robin her, als ob es seine Bestimmung wäre und er sein ganzes Leben noch nichts anderes gemacht hätte! Weitere Versuche ihn abzuhängen schlagen fehl. Als wir 27 Kilometer später in Puerto Octay ankommen, beschließen wir auf dem örtlichen Zeltplatz zu bleiben und hoffen, dass Hundi über Nacht wegläuft. Doch Hundi lässt sich durch nichts beirren. Noch nicht einmal der Zeltplatzbetreiber kann ihn verjagen. Unbeirrt wacht er die ganze Nacht im strömenden Regen neben unseren Fahrrädern und bewegt sich kaum mehr als einen Meter weit weg. Unsere Herzen werden schwer, als wir ihn am nächsten Tag schwanzwedelnd und mit treuem Blick neben unseren Rädern stehen sehen. Schweigend machen wir uns auf in den Ort. In einem Café überlegen wir, wie wir mit der Situation weiter umgehen sollen. Natürlich wartet Hundi ganz brav neben unseren Rädern. Uns ist bewusst, dass wir ihn nicht weiter mitnehmen können. Die 27-Kilometer-Etappe war eine Ausnahme und unsere durchschnittlichen 70 bis 80 Kilometer können wir ihm nicht zumuten. Außerdem sind die stark befahrenen Straßen viel zu gefährlich und größere Orte nicht schön für Straßenhunde. Mit Tränen in den Augen beobachten wir durch das Fenster unseren treuen Gefährten. Dann heißt es handeln. Robin kauft Hundefutter und ich versuche auf gebrochenem Spanisch einer Ladenbesitzerin unsere Situation zu erklären. Schließlich versteht sie und erklärt sich dazu bereit, dass wir Hundi in ihren Vorgarten locken und das Gartentor schließen, um schnell wegfahren zu können. Hundi merkt genau, dass etwas nicht stimmt und ich muss ihn regelrecht in den Garten schieben. Noch nicht einmal das Futter kann ihn locken. Tor zu und schnell weg… Natürlich geht es erst einmal bergauf und schnaufend stellen wir fest, dass eine Flucht den Berg hoch nicht unbedingt schlau ist. Doch unser Plan geht auf und Hundi folgt uns nicht mehr. Trotzdem drehen wir uns auf den 70 Kilometern nach Osorno ständig um und halten Ausschau. Vielleicht ist auch ein bisschen unvernünftige Hoffnung mit dabei, dass er uns doch folgen könnte? In Osorno verkriechen wir uns erst einmal vor dem Regen. Robin lässt es sich nicht nehmen, am nächsten Tag noch einmal nach Puerto Octay zu fahren und nach Hundi zu schauen. Er findet ihn nach 15 Minuten und beobachtet ihn von weitem. Er macht einen doch recht entspannten Eindruck. Mit ruhigerem Gewissen und einem besseren Gefühl, das Richtige getan zu haben, fährt Robin wieder zurück nach Osorno…

20170502_143942-COLLAGEEs ergibt sich, dass wir ab dem 26.04. die Möglichkeit haben, für zwei Wochen einen Campervan zu mieten um damit in den Norden in die Atacama Wüste zu fahren. Deshalb fahren wir wieder über Nacht von Montag auf Dienstag (24. – 25.04.) mit dem Bus zurück nach Santiago, wo wir wieder für eine Nacht bei Claudia und Jorge unterkommen (wieder ein schöner Abend mit Wein, Tapas und politischen Gesprächen). Am Dienstagnachmittag treffen wir uns mit Mauro, dem Besitzer des Campervans und Teil des kürzlich gegründeten Familienunternehmens “Soulvans”, um uns das Gefährt anzuschauen und alle Modalitäten zu besprechen. Und so beginnt am Mittwoch (26.04.) ein neuer und aufregender Abschnitt unserer Reise!

Folgende Sätze hatte ich am 26.04. hierzu verfasst: Ich sitze gerade in einem Auto – unserem gemieteten Campervan um genau zu sein. Ein festes Zuhause auf vier Rädern für die nächsten zwei Wochen – ist das nicht toll? Die Übergabe hat schon mal reibungslos funktioniert und auch die aufregenden ersten Kilometer aus der Stadt und bis nach Vina del Mar verliefen problemlos. Jetzt gilt es ein hübsches Plätzchen für die erste Nacht im neuen Zuhause zu finden.

…und so sind wir jetzt schon seit sechs Tagen unterwegs. Über 1400 km haben wir zurück gelegt und erreichen voraussichtlich heute San Pedro de Atacama. Der Road trip mit dem Campervan ist eine willkommene Abwechslung. Auch genießen wir die andersartige Landschaft und die Hitze. Selbstverständlich sind die Räder immer mit dabei ;-).

Nachtrag vom 04.05.2017: Wie erwartet, haben wir San Pedro de Atacama vorgestern (02.04.) gut erreicht und auch schon erste Ausflüge unternommen. Bleibt gespannt!

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