…Deutschland! Ja, ihr habt richtig gelesen, wir befinden uns aktuell in Deutschland! In München um genau zu sein… „Weshalb?“ werdet ihr Euch jetzt wohl fragen. „Haben sie ihre Reise jetzt schon abgebrochen?“ geht Euch sicher durch den Kopf. „Nein Nein“ kann ich da nur (beruhigend) antworten. Wir haben quasi nur einen kurzen Zwischenstopp eingelegt. Zuletzt waren wir nach Euren Kenntnissen in Buenos Aires. Da das Wetter immer winterlicher wurde, zog es uns immer mehr in wärmere Gefilde. Wir überlegten, nach Brasilien weiter zu fahren, oder nach Cuba, Mittelamerika oder Mexico zu fliegen. Leider wurden wir so oft vor Gefahren (hauptsächlich bewaffnetem Überfall) in Brasilien gewarnt, dass wir uns nicht mehr vorstellen konnten, unvoreingenommen und entspannt dort Fahrrad zu fahren. Mit dem Fahrrad ist man potenziellen Gefahren noch mehr ausgesetzt. Nachdem wir unsere Reisekassen überprüft hatten, stellten wir fest, dass auch Fliegen nach Cuba, Mittelamerika oder Mexico unsere Reisekassen sprengen oder zumindest die Reisedauer erheblich verkürzen würde. Außerdem trug ich mich schon seit längerem mit dem Wunsch, meine Oma zu ihrem 80. Geburtstag zu überraschen (sie hat im Juli Geburtstag). Und so fingen wir an, Flüge nach Europa zu sichten. Unsere Vorstellung war, nach Portugal, Spanien, Italien oder einem anderen Land im südlichen/warmen Europa zu fliegen und von dort aus in den verbleibenden Wochen bis zum Geburtstag meiner Oma bis ins Allgäu (genauer nach Amtzell) zu radeln. Schnell stellten wir fest, dass die billigsten Flüge von Buenos Aires nach Europa Gabelflüge über Amerika sind. Nach mehrstündigem Suchen und Vergleichen entschieden wir uns für einen Flug über Atlanta und New York nach Málaga und buchten. Nachdem wir gebucht hatten, überlegte ich, was man während des zwölfstündigen Aufenthaltes in Atlanta unternehmen könnte und ob es möglich wäre, den Flughafen zu verlassen. Bei meiner Recherche im Internet stolperte ich dann über den Begriff ESTA, der elektronischen Einreiseerlaubnis, welche benötigt wird, um als deutscher Staatsangehöriger in Amerika einreisen zu dürfen. Der Hinweis auf der Seite des Auswärtigen Amtes, dass unter anderem deutsch-iraner von der ESTA-Vereinbarung ausgeschlossen sind und nur mit gültigem Visum in Amerika einreisen dürfen, raubte mir dann endgültig die Fassung. Ich wollte doch nur kurz landen, in die nächste Maschine umsteigen und nach Europa fliegen? Für mich ohne teures Visum, welches ich mehrere Wochen im voraus beantragen müsste, nicht möglich! Das war natürlich keine Option (und das nicht nur aufgrund des Flugtermins eine Woche später). Entnervt stornierten wir die Flüge. Zum Glück ist das bei Onlinebuchung innerhalb von 24h kostenfrei möglich.

Nach weiterem mehrstündigem Suchen und Vergleichen hatten wir dann endlich unsere Flüge mit Qatar Airways nach Barcelona mit Umwegen über Sao Paulo und Doha. Doch auch das sollte nicht so reibungslos funktionieren… Am Mittwoch, den 07.06. sollte unser Flug gehen. Am Morgen des 07.06. ereilte uns die Nachricht, dass Qatar seit mehreren Stunden von allen umliegenden arabischen Ländern bestreikt wird (zufälligerweise genau eine Woche nach Trumps Besuch bei seinen arabischen Freunden und Verbündeten). Mit der Auswirkung, dass Qatar Airways alle seine Flüge über den iranischen Luftraum leiten muss. Mit nervösem Magen (also bei mir zumindest) machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und hofften, dass unser Flug nicht von Streichungen und Verspätungen betroffen sein möge und ich verfluchte gleichzeitig in Gedanken Trump und seine sch… Weltpolitik. Mit vier Stunden Verspätung starteten wir dann letztendlich unsere Reise über Sao Paulo, Athen, Iran, Doha und kamen schließlich 32h später am 09.06. in Barcelona an!
Die ersten vier Tage nach unserer Ankunft in Barcelona verbringen wir auf einem Zeltplatz in unmittelbarer Nähe zum Flughafen. Sehr praktisch, wenn man mit Fahrrad anreist. Man kann sein Rad direkt am Flughafen zusammenbauen und zum Zeltplatz fahren. Für einen entspannten längeren Aufenthalt ist der Zeltplatz aufgrund des Fluglärms eher nicht zu empfehlen. (Erste Eindrücke:) Wir freuen uns über Euros und dass wir uns mit unserem in Südamerika erarbeiteten Spanischwortschatz verständigen können, genießen das Wetter und die billigen Lebensmittelpreise. Vom Zeltplatz aus unternehmen wir Tagesausflüge nach Barcelona – eine fantastische Stadt! – und ich beschließe ihr in den kommenden Jahren im Herbst über ein verlängertes Wochenende einen weiteren Besuch abzustatten. Nach den vier Tagen bei Barcelona machen wir uns also auf den Weg ins Allgäu.
Die ersten Etappen sind eher kurz und wir genießen Spanien, das Meer und die europäischen Standards. Je näher wir der französischen Grenze kommen, welche von Barcelona nur knapp 250/300 km entfernt ist, um so bergiger wird es und die langen Sandstrände werden von Stränden mit Steilküsten abgelöst. Ab Frankreich führt uns unser Weg etwas abseits der Küste, da sich zwischen uns und der Küste mehrere Seen befinden. Die Landschaft ist wunderschön und wir fahren durch hügelige Naturschutzgebiete. Die Etappen durch die Ausläufer der Pyrenäen sind weit anspruchsvoller als an der spanischen Küste entlang. Bei Montpellier verabschieden wir uns vom Meer und fahren in nördlicher Richtung nach Avignon. Ab Avignon folgen wir dem Rhône-Radweg bis Genf. Ich kann den Rhône-Radweg nur wärmsten empfehlen! Er ist sehr gut ausgeschildert und führt durch wunderschöne Landschaften und Städte. Siehe auch: Webseite Via Rhona
Wie sehr habe ich die Etappen zwischen Lyon und Genf genossen!
In Genf angekommen ereignet sich ein wunderbarer Zufall. Beim Fahren durch die Stadt fallen uns ein paar Fahrradkuriere auf, welche an einem Brunnen pausieren. „Ein Fahrradkuriertreff“ sag ich zu Robin und er meint „lass ma rüberfahren und quatschen“. Leider sprechen alle nur französisch… Zwei Minuten später kommt ein Kuriermädel angefahren und es entpuppt sich, dass wir uns schon auf vergangenen Meisterschaften (für/von Fahrradkuriere/n) gesehen haben und sie, wie sich nach ein paar weiteren Minuten herausstellt, mit unserem Kurierfreund Hagen zusammen ist, der (mittlerweile bzw. zu diesen Zeitpunkt noch) in Lausanne wohnt(e). Was für eine Freude! Wir beschließen spontan Hagen in Lausanne zu überraschen und werden freudig aufgenommen. Schöne Stunden verbringen wir mit Hagen und Nata in Lausanne und beim Altstadtfest!
Die nächsten und letzten Etappen durch die Schweiz und ins Allgäu fallen sehr sportlich aus (in vier Tagen durch die Schweiz!). Dies liegt sowohl an den schwindelerregend hohen Preisen in der Schweiz, als auch an unserem Zeitpensum. Dieses wurde durch eine weitere Vorgabe noch einmal um mehrere Tage gestrafft (Franzi hat geschäftlich in Stuttgart zu tun und wir verabreden uns nach ihrem Termin zusammen einen Tag in Friedrichshafen zu verbringen.). Weiterhin erschweren Hitzegewitter und Hagel das Radfahren. Außerdem komme ich auf unserer vorletzten Etappe durch die Schweiz bei einem Sturz nur knapp mit einer kleinen Hautabschürfung am Ellenbogen davon und an schlimmerem vorbei. Mir bricht während der Fahrt der vordere Gepäckträger mitsamt Rucksack ab und gerät wie ein Bremsblock unter das Vorderrad! Zum Glück ist mir das nicht bei einer Abfahrt passiert!!!
Umso beschwingender ist das Gefühl, als wir am 10.07. mit der Fähre (Romanshorn – Friedrichshafen) wie geplant in Friedrichshafen ankommen. Nach neun Monaten wieder etwas Heimat! Dort gönnen wir uns erst einmal ein großes Weizen. Später holen wir Franzi vom Bahnhof ab. Auch hier wieder große Freude! Zusammen verbringen wir eine schöne Zeit in Friedrichshafen mit Baden, Essen, Spaziergängen und Quatschen. Hachja war das schön!
Ich bin sehr aufgeregt, als wir von Friedrichshafen Richtung Amtzell aufbrechen (12.07.). Ich kann es kaum erwarten, meine Familie nach so langer Zeit wieder zu sehen. Die Strecke kommt mir unendlich lang und auch fremd vor. Endlich stehe ich vor dem Haus meiner Oma. Meine Oma und meine Tante können es kaum glauben, als sie sehen, wer vor der Tür steht. Was für eine Wiedersehensfreude. Diese zieht sich über die darauffolgenden Tage. Meine Oma hat zu einem großen Fest geladen und so ist (fast) die ganze Verwandtschaft versammelt. Es ist sooo schön alle nach so langer Zeit wieder zu sehen und zu umarmen. Dieses Gefühl hätte mir wohl keine karibische Insel dieser Welt geben können…
So, jetzt fragt ihr Euch sicher „Was macht Katja jetzt in München und wie geht es weiter?“… Vom 21.07. – 23.07. fand die ECMC (europäische Meisterschaft der Fahrradkuriere) in Wien statt und wir beschlossen dieses Event mit dem Geburtstag meiner Oma zu verbinden und nach dem Geburtstagswochenende (14.07. – 16.07.) nach Wien zu fahren. Auch das sollte eine Überraschung sein (gelungen!). Nach einer tollen ECMC in Wien und auch hier viel Wiedersehensfreude ging es am Montag (24.07.) mit dem Fernbus zurück nach München um hier meine Eltern zu verabschieden, welche zum Anlass des Geburtstags meiner Oma nach Deutschland gekommen sind. Außerdem besuchen wir zwei liebe Freunde in München, welche wir auf unserer Reise in Thailand kennengelernt haben.

Route Barcelona – Amtzell
Am 07.08. geht es wieder über Österreich, Slowenien, Kroatien, Italien, Österreich, Tschechien zurück nach Leipzig. Ein Heimweg mit Umwegen also! Solltet ihr Lust und Zeit haben, Euch mit uns auf dieser Strecke die Beine zu vertreten oder einfach ein paar Tage mit uns zu verbringen, meldet Euch gerne! Ich bin jetzt auch wieder unter meiner alten Nummer telefonisch erreichbar… Achja, voraussichtlich werden wir Leipzig am 28.09. erreichen.
Ab jetzt hat auch die Heimlichtuerei ein Ende und ich werde Euch wieder regelmäßig informieren. Also bis bald!
Eure Katja

Mit PiwoPivo läßt sich auch das deutsche Sommermistwetter ertragen 😉