…aus Christchurch…
Ich habe gerade ein Loch im Kopf und mir fällt einfach kein ordentlicher Titel für diesen Beitrag ein. Ich freue mich über Vorschläge!

Gefahrene Route
Von Ohakune führte uns unser Weg über den mountain to the sea Trail nach Whanganui und danach überwiegend über Schnellstraßen über die Städte Bulls und Levin nach Wellington.
Ohakune liegt am Fuß des Ruapehu Berges und während des mountain to the sea Trails bietet sich uns oft eine wunderbarer Ausblick auf die Gebirgskette mit den Bergen Pukeonake, Ngauruhoe und Ruapehu. Wir nehmen uns fest vor, auf unserem Rückweg nach Auckland den Tongariro crossing zu wandern.
Wir genießen das tolle Wetter, die Landschaft und die überwiegend ruhige und gute Straße. Bei diesen Bedingungen machen einem auch die gelegentlichen Anstiege nichts aus. Nur die letzten 20 Kilometer nach Whanganui haben wir mit starkem Gegenwind zu kämpfen.
Auf den Schnellstraßen kommen wir zügig voran und erreichen ohne Zwischenfälle wie geplant Wellington.
In Wellington besuchen wir Jörg, einen guten Freund und ehemaligen Kurierkollegen von Robin, der mittlerweile seit fünf Jahren in Neuseeland lebt und verbringen zwei Tage und drei Nächte bei ihm. Wellington begrüßt uns mit feinstem stürmischen Regenwetter und natürlich wohnt Jörg gaaanz oben auf einem Berg. Ich kann mir richtig vorstellen, wie Jörg mit Schadenfreude auf seinem warmen Sofa gesessen und sich vorgestellt hat, wie wir uns bei dem Sauwetter mit dem ganzen Gepäck gerade den Berg hochkämpfen. In Wellington kaufen wir uns am ersten Tag erst einmal ordentliche Regensachen (und Robin aufgrund der horrenden Tabakpreise eine e-Zigarette) und natürlich bessert sich das Wetter schlagartig, sobald wir diese eingekauft haben. Am Abend gibt es deutsche Hausmannskost – Kartoffeln mit Quark und Leberwurst und Jörg lädt uns auf ein paar Gläser Pfefferminzschnaps ein! Was für ein Genuss nach über drei Monaten Pfeffiabstinenz!!! Den zweiten Tag bummeln wir am Hafen entlang und durch die Fußgängerzone. Wellington ist ein hübsches Städtchen bei Sonnenschein! Gegen Abend treffen wir uns mit Jörg (der tagsüber wieder arbeiten war) am Strand zum Sonnenuntergang schauen und promt zum Sonnenuntergang verabschiedet sich die letzte Wolke. Nachdem wir uns nach dem Sonnenuntergang den Berg zu Jörgs Wohnung hochgekämpft haben, werden wir wieder mit Pfefferminzschnaps belohnt. Am nächsten Tag geht es mit der Fähre weiter auf die Südinsel nach Picton.
Die Fährfahrt ist sehr „scenic“, wie der Neuseeländer jetzt sagen würde.
Eigentlich ist unser Plan, zunächst die Westküste zu fahren. Über Richi (Polofamilie) habe ich erfahren, dass am 25.02. ein Polotunier in Timaru (südlich von Christchurch) stattfindet. Innerhalb von weniger als drei Wochen die komplette Westküste, den Süden und die halbe Ostküste zu fahren, ist unrealistisch (bzw. einfach zu stressig) und auch das warme Sommerwetter im Osten und die flache Ostküste sind Argumente, weswegen wir uns letztendlich doch dafür entscheiden, zunächst die Ostküste zu fahren.
Leichter gesagt als getan! Auf unserer ersten Etappe von Picton nach Seddon stellen wir fest, dass die Hauptstraße nach Christchurch Aufgrund der Erdbebenschäden im November 2016 kurz vor Kaikoura gesperrt ist. Auch für Radfahrer gibt es keine Möglichkeit, die Strecke zu passieren und so bleibt uns, entweder zurück zu fahren, oder einen Alternativroute über die Berge einzuschlagen und natürlich entscheiden wir uns für die zweite Variante. Der Molesworth Trail führt durch die größte und abgelegenste Farm Neuseelands. Über Kilometer sehen wir keine Menschenseele. Die Landschaft wechselt stetig. Auf der Höhe, in der wir unterwegs sind, ist es sehr kalt und auch der Wind macht uns zu schaffen. Nach den ersten asphaltierten Kilometern geht der Asphalt in Schotter über und die Beschaffenheit der Straße bleibt so bis zu unserem Ziel Hanmer Springs. Wir packen die 200 Kilometer und unzähligen Höhenmeter (höchster Anstieg auf 1200 Meter) in drei Tagen. Wieder genießen wir die Hilfsbereitschaft der Neuseeländer, die uns mit Unterkunft, Transporthilfe für unsere Gepäcktaschen, heißem (Abwasch)Wasser und warmen Duschen zur Seite stehen. Aufmerksame DOC-Ranger haben uns im Blick und es gibt mir ein gutes Gefühl, zu wissen, dass jemand auf uns achtet. Nach einer belohnenden Abfahrt von 600 Höhenmetern auf 6,5 Kilometern (Jacks Pass) kommen wir ausgepowert aber zufrieden und wohlbehalten in Hanmer Springs an. Dort werden wir direkt von Gregor angesprochen, einem 27 jährigen Stuttgarter, der für ein Jahr mit seinem Fully Neuseeland bereist und er ist seit dem unser stetiger Begleiter. In Hanmer Springs gönnen wir uns einen Tag Aufenthalt und erholen uns in den örtlichen Hot Springs von den Strapazen und der Kälte des Molesworth Trails.
Seit zweit Tagen sind wir nun in Christchurch angekommen. Nach Hanmer Springs fuhren wir über Waiau wieder auf die ursprüngliche Küstenhauptstraße Richtung Christchurch zurück. Mit Gregor haben wir einen unterhaltsamen Reisebegleiter und die Unterhaltungen, Diskussionen und unzähligen Witze verkürzen die (Fahr)Zeit ungemein. Die letzten Kilometer vom Küstenort Gore Bay über Greta Valley hatten wir wieder mit starkem Gegenwind zu kämpfen und auch die Trucks, die an uns vorbei donnern, rauben uns die Nerven. Außerdem vergesse ich in Greta Valley mein Handy auf dem Klo eines Cafés, was ich erst nach 12 gefahrenen Kilometern mit Gegenwind feststelle. Zum Glück nimmt mich ein hilfsbereites Kiwipärchen mit dem Auto zurück zum Café und fährt mich auch wieder zu den Jungs, die bei den Rädern auf mich warten und das Handy ist auch noch da! Wir sind froh, endlich in Christchurch anzukommen.
Durch mehrere Erdbeben ist Christchurch stark zerstört und mutet durch die vielen leerstehenden Gebäude und menschenleeren Straßen zum Teil eher wie eine Geisterstadt an und nicht wie die Hauptstadt von Neuseeland. Zudem hat Christchurch seit Montag mit einem großen Buschfeuer am Rand der Stadt zu kämpfen und man wird das Gefühl nicht los, dass diese Stadt vom Unglück und Naturkatastrophen verfolgt wird. Morgen geht unsere Reise weiter und ich bin nicht traurig darüber, die Stadt hinter mir zu lassen.
Bis bald!
Eure Katja