Argentinien


Liebe Freunde und fleißige Leser des Blogs,

jetzt war es doch mal wieder ungewöhnlich lange ruhig und ich habe nichts von mir lesen lassen. Die letzten Wochen waren emotional sehr turbulent. Der Gesundheitszustand von Kater Mutz (der seit 12 Jahren Bestandteil meines Lebens ist/war) war ein einziges auf und ab und hat sich leider immer mehr verschlechtert. Natürlich ist man dann in Gedanken immer Zuhause und kann sich nicht so recht auf das Reisen einlassen. Da ist die alltägliche Suche nach Internet, um den aktuellen Gesundheitszustand von Mutzi zu erfahren und auch die Zeltplatzsuche/Schlafplatzsuche eher eine Zumutung. Oft habe ich mir die Frage gestellt, ob es Sinn macht, die Reise abzubrechen, aber ich wusste ihn immer in guten Händen und es schien immer wieder, als ob es mit ihm gesundheitlich bergauf geht. Vorletzte Woche Freitag (09.06.) habe ich dann doch überraschend die traurige Nachricht erhalten, dass er eingeschläfert werden musste. Ich habe immer gehofft, dass er sich bald erholt, doch wie sich letztendlich heraus gestellt hat, hatte er Krebs und mit einer Heilung war nicht zu rechnen. Diese Nachricht in der Ferne zu erhalten und nichts tun zu können bzw. für ihn da zu sein, war eine sehr schmerzhafte und traurige Erfahrung und ich brauchte erst einmal Zeit für mich, um das Ganze zu verarbeiten. An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal allen danken, die sich so sehr für Mutz eingesetzt haben und (wie ich) bis zu letzt gehofft haben, dass es ihm bald wieder gut geht. Danke!

Nun interessiert es Euch sicher auch, was sonst in den letzten Wochen passiert ist und meine Eindrücke von Argentinien. Darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben.

Alsooo, wie zuletzt berichtet, sind wir am 17.05. von Santiago de Chile mit dem Bus über die Anden nach Mendoza in Argentinien gefahren. Lange haben wir überlegt, die Passage mit dem Rad zu fahren, mussten uns dann aber letztendlich dagegen entscheiden. Die Strecke war bis kurz vor unserer Abreise für fünf Tage auf Grund von schwerem Schneefall gesperrt. Eine Überquerung der Anden mit dem Rad ist nur in mehreren Etappen möglich und die einzige Übernachtungsmöglichkeit ist Zelten am Straßenrand – das wollten wir uns dann doch nicht zumuten. Also hieß es wieder einmal Räder und Gepäck in den Bus und los geht die Reise. Diese dauerte viel länger als erwartet. Wir verbrachten alleine 3h am Grenzübergang Chile/Argentinien. Jeder einzelne Reisebus wurde stichprobenhaft untersucht und das dauert! Über die Effizienz des ganzen Verfahrens lässt sich streiten, aber man hatte wenigstens Zeit, um mit den Mitreisenden ins Gespräch zu kommen. So lernten wir Pablo kennen, einen Chilenen, der in San Luis in Argentinien wohnt. Auf der Strecke nach der Grenze stauten sich die LKWs kilometerlang, da sie auf Grund der Straßensperrung tagelang nicht fahren konnten.

Als wir dann endlich gegen 21:00 Uhr in Mendoza ankommen, ist es dunkel und es gibt auch keine Weiterreisemöglichkeit für Pablo nach San Luis. Spontan schließt er sich uns an und wir laufen in eine gute Unterhaltung vertieft zu unserem Guesthouse. Dort wird die Unterhaltung nahtlos fortgeführt und die Runde erweitert sich um Pipo, unserem jungen, sympathischen Gastgeber. Ihr seht, gleich wieder Anschluss gefunden. Am nächsten Morgen bringt mir Pablo alles bei, was man über den heiligen Mates (Tee) der Argentinier wissen muss. Ja, ihr lacht, aber der Mates ist den Argentinien wirklich heilig. Pablo erzählte mir, dass er einmal in einen schweren Streit mit seiner damaligen argentinischen Freundin geriet, weil er ihren Mates weggeräumt hat! In Argentinien hat jeder Argentinier ein Mates-Kit, bestehend aus einer Thermoskanne mit heißem Wasser, einem Mates-Becher, dem Mates-Strohhalm aus Metall und natürlich Mate-Tee. Dieses Kit ist ein ständiger Begleiter und es wird bei jeder Gelegenheit genutzt. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, was die Zubereitung des Tees angeht… Am meisten fasziniert mich die gesellige Komponente der Mates-Zeremonie. Man bereitet immer im Wechsel einen Mate für seinen Gegenüber und für sich. So geht der Mate die Runde herum und es bleibt nie bei einem Mate – deshalb Mates. Argentinier sind auch recht einfach über einen solchen typischen Mates-Becher mit metallenem Strohhalm zu identifizieren. Wir begleiten Pablo noch zum Busbahnhof und verabreden uns, ihn in San Luis zu besuchen.

20170622_143313-COLLAGEWir selbst verbringen noch ein paar weitere Tage in Mendoza und erkunden die schöne Stadt. Die Region um Mendoza ist berühmt für seinen Wein. So führt uns unser Weg aus Mendoza Richtung Buenos Aires auch zunächst durch wunderschöne Landschaften mit den Anden im Hintergrund und durch viele Weingüter. Ganz zufrieden mit unserem ersten Radtag in Argentinien zelten wir auf einem leeren Zeltplatz kurz hinter San Martin. Wieder wird uns bewusst, dass die Reisezeit in Argentinien längst vorbei ist und “der Winter naht”. Leere Zeltplätze und kalte Temperaturen bei Nacht führen uns das auch immer wieder vor Augen. Ab San Martin wird die Landschaft zunehmend eintöniger und wir folgen Tag für Tag der langen Asphaltstraße die sich durch die öde Landschaft der Region Pampa zieht. Jaaa, daher kommt der Begriff! Zunehmend gelangweilt von der kargen Landschaft und frustriert von kilometerlangem Nichts, legen wir Kilometer für Kilometer zurück. Zu allem Überfluss verhakt sich mitten in der Pampa auch noch ein Steinchen zwischen Robins Kette und Umwerfer, so dass der Umwerfer abreißt. Mitten in der Pampa wohl bemerkt! Während Robin frustriert erst einmal eine Zigarette raucht, um seine Nerven zu beruhigen, baue ich schon einmal den Rest vom Schaltwerk und der Kette ab. Robin kürzt die Kette und im Handumdrehen ist der Schalter in einen Singlespeeder umfunktioniert. Man muss sich halt auch in der Pampa zu helfen wissen! Lustigerweise hatte Robin mir erst kurz davor von einem Traum erzählt, in dem er mit seinem Singlespeeder durch die Gegend (Leipzig?) fährt. Tja, wenn Träume wahr werden! So geht es also, für Robin mit nur noch einem Gang, weiter durch die Pampa. Durch den Zwischenfall etwas entschleunigt erreichen wir einen Tag später als geplant San Luis. Pablo empfängt uns in San Luis mit offenen Armen. Er und sein Mitbewohner haben gekocht. Das Essen ist gerade fertig, als wir ankommen. Pablo wohnt mit seinen drei Mitbewohnern in einem kleinen, einfachen Häuschen in San Luis, welches seiner Mitbewohnerin Kitti gehört. Wir essen zusammen und ruhen uns ein bisschen aus. Danach hilft uns Pablo bei der Suche nach einem neuen Schaltwerk für Robin. Oft denke ich an Pablo und die WG in San Luis zurück. Ihre bemerkenswerten und einzigartigen Charaktere und ihre bedingungslose Gastfreundschaft und Hilfe haben mich nachhaltig beeindruckt. Alleine über “den alten Mann”, einem der Mitbewohner, könnte man wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben.

20170622_143728-COLLAGENachdem wir in San Luis einiges organisiert und erledigt haben (unter anderem ein neues Schaltwerk und eine neue Kette für Robin), geht es auf direkten Weg weiter nach Buenos Aires.

In Buenos Aires verbringen wir fast zwei Wochen. Es ist sehr spätherbstlich aber überwiegend trocken und sonnig. Wir kommen in einem kleinen, ruhigen Guesthouse unter. Jeden Tag wird bis 10:00/11:00 Uhr ausgeschlafen, dann gibt es meistens Medialunas und Kaffee zum Frühstück und danach wird die Stadt entweder zu Fuß oder per Rad erkundet. So kennen wir bald die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Eckpunkte der Stadt und können uns gut orientieren. Insgesamt ist Buenos Aires sehr europäisch. Der Hafen erinnert an Hamburg. Ich mag das Viertel San Telmo mit seinem alten Markt, dem Straßenflohmarkt am Sonntag und der besten Choripan der Stadt. Ansonsten ist es hier fast ein bisschen unspektakulär. Das liegt aber wahrscheinlich auch an der Jahreszeit. Ich kann mir schon vorstellen, dass hier im Sommer die Straßen nachts voller Leben und Trubel sind und an jeder Ecke Tango getanzt und das Leben zelebriert wird. Uns zieht es jedenfalls jeden Tag immer mehr ins Warme und ans Meer…

20170622_143954-COLLAGE…und so setzen wir unsere Reise zunächst weiterhin im spanischsprachigen Raum fort. Genaueres dann im nächsten bzw. überübernächsten Beitrag – es stehen ja noch die Beiträge zu Tour Aotearoa – Nordinsel und zu unserem Road trip durch Atacama aus.

Also bis bald!

Eure Katja