Wie viele Kilometer werden wir in Neuseeland wohl gefahren sein? Ich weiß es nicht so genau, aber es waren sicher sehr viele – und vor allem seeehr viele Höhenmeter.

Es könnte passieren, dass ich nachfolgend etwas ins Schwelgen gerate, aber Neuseeland ist einfach wundervoll. Wenn ich daran denke, dass es nächste Woche “schon wieder” weiter geht, wird mir fast ein bisschen schwer ums Herz. (Diesen Artikel habe ich am 28.03. verfasst. Mittlerweile ist „nächste Woche“ und unser Weiterflug nach Chile geht morgen.) Wenigstens stimmt es mich etwas zuversichtlich, dass jeder Reisende dem man begegnet und der schon in Chile war, sagt, dass es das schönste Land (der Welt?!) sein soll… Ich lass mich überraschen… Jetzt jedenfalls bin ich noch in Neuseeland in der Nähe von Rotorua, der Regen plätschert auf die Plane und zwingt zum verweilen. Zumindest gibt mir das die Möglichkeit, die letzten sechs Wochen in Neuseeland in diesem Bericht aufzuarbeiten. (Liest sich ein wenig wie eine Drohung: Achtung! Dieser Beitrag wird seeehr lang! 😉 )
Wir erinnern uns – mein letzter Beitrag über unsere Zeit in Neuseeland endet in Christchurch (16.02.). Der Plan ist, bis zum 25.02. Timaru zu erreichen, um beim Polournier dabei zu sein. Wir haben also eine gute Woche Zeit. Genug Zeit um bis ganz in den Süden nach Invarcargill zu fahren und dann wieder mit dem Bus zurück nach Timaru – denken wir. Am 17.02. fahren wir also (ohne Greg, der noch ein paar Tage in Christchurch bleiben möchte) auf der Hauptschlagader des neuseeländischen Straßenverkehrs – der AH1 – Richtung Süden. Es regnet und da es wieder länger als geplant dauert, aus Christchurch rauszukommen, fahren wir nur knapp 60 km an einen schönen kostenlosen Zeltplatz direkt an einem See (Lake Ellesmere). Gegen Abend wird die Ruhe am See durch eine kleine Autokolonne mit Anhängern mit Dixi Klos, Generatoren, Boxen und Bühnenteilen gestört. Kurz darauf schallt Elektromucke bis zu uns und wir beschließen uns das mal genauer anzuschauen. Wie vermutet sind mehrere Leute damit beschäftigt, ein kleines open air vorzubereiten und laden uns großzügig ein, am nächsten Tag vorbei zu kommen und mit ihnen zu feiern. Das ganze Spektakel geht am Samstag (18.02.) ab 14:00 Uhr los und bis zum nächsten Tag (19.02.) 14:00 Uhr. Spontan bleiben wir und erleben eine typische neuseeländische open air drum & bass party. Somit verzögert sich unsere Weiterreise um zwei Tage und wir beschließen die verbliebenen fünf Tage bis zum Poloturnier doch lieber entspannt bis nach Timaru zu fahren und nicht wie geplant bis nach Invarcargill und dann mit dem Bus zurück nach Timaru. Am 20.02. geht es über ruhige Straßen immer am Rakaia River entlang bis nach Methven. Von dort aus machen wir einen Abstecher zum Rakaia Gorge (21.02.), einem scenic Tall durch welches der türkisblaue und eiskalte Rakaia River fließt. Mutig nehmen wir ein Bad im eiskalten Wasser. Zum Glück ist es außerhalb des Wassers warm und man kann sich nach dem Bad wieder wunderbar an der Sonne aufwärmen.

Am nächsten Tag (22.02.) geht es die steile Straße aus dem Tal wieder hoch. Die nächste Station auf dem Weg nach Timaru ist der Peel Forest mit rieeesigen uralten Bäumen.

Dann noch eine Übernachtung in Geraldine (23.02.) und wir kommen pünktlich am Freitag, den 24.02. in Timaru an!
POLO!!!
Das Wochenende vom 24.02. – 26.02. steht ganz im Zeichen des Polo… Die Polo-Familie aus Timaru empfängt uns mit weit offenen Armen. Als wir ankommen, ist schon für alles gesorgt – Unterkunft, Verpflegung, Unterhaltung und sogar Anmeldung als eigenes Team! Wir grillen bei Karl, Ash und Ash und fahren anschließend zum Poloplatz. Es gibt pick up Spiele und vieeel Bier. Es wird viel gequatscht und gelacht und Freundschaften werden geschlossen. Bei den Quali-Spielen am nächsten Tag spiele ich dann auch mal mit und habe viel Spaß. Sogar Greg und sein neuer französischer Reisegefährte schauen mal zum Zuschauen vorbei. Am Sonntag finden dann die Finalspiele statt. Leider sind diese viel zu schnell vorbei und der Nach-Polo-Blues macht sich breit, als nach und nach alle abreisen oder nach Hause gehen. Wir bekämpfen den Blues mit einer Stadtrundfahrt (natürlich auf dem Rad), schauen uns Trainspoting 2 im Kino an und frieren uns beim Pinguine-Schauen in der Abenddämmerung – na ihr wisst schon…
Am 27.02. fahren wir weiter Richtung Dunedin. Wunderschöne Natur! (Waitaki River)

In der Nähe von Hampden beobachten wir wieder Pinguine und unzählige Robben.

Am 01.03. erreichen wir Dunedin. Eine schöne Stadt mit (für Neuseeland eher untypisch) vielen alten Gebäuden. Weiterhin zeichnet sich Dunedin durch seinen großen Campus und viele Studenten aus. Toll!
Das nächste Highlight unserer Reise ist die Fahrt mit der historischen Eisenbahn von Dunedin nach Middlemarch (am 03.03.) wo der Otago Railway Trail beginnt. Die Eisenbahn schlängelt sich durch abgelegene Gegenden und tolle Natur durch das Land der Pferdemenschen (Rohan) über hohe Brücken und durch enge Tunnel – beeindruckend!
Vom 03.03. bis zum 05.03. sind wir auf dem Otago Railway Trail unterwegs. Quasi der Fortsetzung der Eisenbahnlinie von Middlemarch nach Clyde nur dass die alten Schienen entfernt und die Strecke als Radweg ausgebaut wurde. Ein großartiger Trail. Größtenteils flach fährt man ohne von Autos belästigt zu werden, durch atemberaubende Herr der Ringe Landschaften, über Brücken und durch Tunnel, durch kleine historische und touristisch am Leben gehaltene Städte und erfährt nebenbei sehr viel über die Siedlerzeit und den Goldrausch in der Gegend. Super!
Von Clyde geht es weiter nach Cromwell (06.03.). Wir sparen uns das touristische Queenstown und fahren direkt nach Wanaka (07.03.). Sehr schön aber auch sehr touristisch!

Es folgen drei weitere tolle Radfahrtage zwischen den Seen Hawea und Lake Wanaka hindurch über den Haast Pass nach Haast (10.03.). Die Abfahrt vom Haast Pass ist atemberaubend und es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Natur von der kargen hochalpinen Landschaft in feucht tropfenden Regenwald verwandelt. Wir haben die Westküste erreicht! Eine der regenreichsten Regionen Neuseelands, so ist es kaum verwunderlich, dass uns die Westküste mit Regenwetter empfängt. Da wir bis zum 20.03. wieder auf der Nordinsel sein möchten, es regnet und auf der Strecke zwischen Haast und Franz Josef drei hohe Berge liegen (the three ugly sisters) buchen wir Bustickets und fahren am 11.03. mit dem Bus weiter nach Franz Josef.
Da es weiterhin in strömen regnet, bereuen wir unsere Entscheidung nicht und bemitleiden die Radreisenden, die sich bei diesem “Sauwetter” auf ihren Rädern die steilen Straßen hochkämpfen – hähähä!!! In Franz Josef “gönnen” wir uns das erste Mal in Neuseeland zwei Schlafplätze im Etagenbett im Hostel. Was für ein Luxus mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen! Am nächsten Tag (12.03.) ist das Wetter nur minder besser. Wir kämpfen uns 90 km bis nach Pukekura – mit sechs Einwohnern der angeblich kleinste Ort in Neuseeland – und verkriechen uns dort für zwei Tage in einer für neuseeländische Verhältnisse preiswerten, einfachen aber gemütlichen Cabin und sitzen den Regen aus. Am 14.03. geht es (endlich) wieder weiter. Ab da ist das Wetter großartig und ich genieße die wunderbare Landschaft. Meer und Küste zur linken und Urwald und Berge zur rechten – großartig! So fahren wir durch kleine Goldgräberstädte wie Ross, den Wilderness Trail entlang durch Hokitika (14.02.) und Greymouth (15.02.) über Charleston (16.02.) bis nach Westport von wo aus wir am 17.02. den Bus nach Nelson nehmen. Jeder Abend entlohnt mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang über der Tasmanischen See. Ach ja und die Pancake-Rocks und Blowholes auf halber Strecke zwischen Greymouth und Westport sind wirklich sehenswert. Wir konnten sogar Delfine beobachten!

…to be continued!
Hallo ihr zwei. Danke für den schönen Bericht, der viele schöne Erinnerungen weckt. Robin, hast du auch so viel Gold gefunden ? lasst es euch gut gehen in Chile. olé!